Aktuell

Plattform Mutternacht lädt zur Österreich-Premiere des Dokumentarfilms „Sisters“:

Der Dokumentarfilm SISTER (Originalversion mit engl. Untertiteln) erzählt die Geschichte von
werdenden Müttern, Hebammen und Ärztinnen/Ärzten aus Äthiopien, Kambodscha und Haiti. Er untersucht die schwierigen Umstände ihrer Arbeit, die Müttersterblichkeit zur Menschenrechtsfrage machen.
Es ist ein sensibles filmisches Portrait, das die aufopfernde Arbeit in schwierigen und schönen Momenten begleitet: Goitom Berhane, ein charismatischer Arzt in einem ländlichen Spital in Äthiopien. Pum Mach, Hebamme in einem minenverseuchten Gebiet Kambodschas. Madam Bwa, Hebamme, die selbst gegen Armut kämpt und in einem dicht bevölkerten haitischen Stadtgebiet arbeitet. Ihre Geschichten zeigen Strategien auf, um die Gesundheit von werdenden Müttern und Neugeborenen bestmöglich zu schützen – zugleich wird deutlich, welche Gefährdung Tag für Tag durch fehlenden Transport, mangelnde Kommunikation und unzureichende Bildung gegeben ist.

Dienstag, 3. Mai von 18:30 bis 21:30 Uhr
Top Kino, Rahlgasse 1, 1060 Wien
Reservierungen: www.topkino.at oder 01/ 208 3000 (ab 15 Uhr).
Eintritt frei!

Im Anschluss an den Film folgt ein Publikumsgespräch mit Petra Bayr (Gründerin der Plattform Mutternacht) und Barbara Wagner (Amnesty International Österreich Netzwerk Frauenrechte).

Folder zum hier herunterladen

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Frauen und Mütter auf der Flucht
Plattform Mutternacht informiert über Schicksale werdender Mütter, Mädchen und Frauen

Im Vorfeld des Muttertags am 8. Mai macht die von NGOs und Parlamentsparteien getragene Plattform Mutternacht beim heutigen Pressegespräch auf die aktuelle Situation von weiblichen Flüchtlingen aufmerksam.

DSC_6815Frauen und Kinder sind mittlerweile in der Überzahl bei neu ankommenden Flüchtlingen in Europa, auch in den syrischen Nachbarstaaten überwiegt mit 75 Prozent der Anteil von Frauen und Kindern.  Doch gerade die Sicherheit von Frauen und Mädchen ist auf der Flucht besonders gefährdet, sie werden nicht selten Opfer von sexueller Gewalt oder Misshandlung. Dazu kommen speziell für Frauen in und um Syrien weitere Herausforderungen: etwa die zunehmend alleinige Verantwortung für die Familie und das Einkommen. Und auch wenn Frauen und Mütter die Flucht erfolgreich überstehen konnten, existieren gerade in der Ankunftsphase besondere Gefahren für weibliche Flüchtlinge.

DSC_6879„Die sexuellen und reproduktiven Rechte gehören zu jenen Menschenrechten, die in Krisensituationen besonders schnell unter Druck geraten. Mädchen und Frauen auf der Flucht sind häufig mit sexuellen Übergriffen, fehlendem Zugang zu Verhütungsmitteln samt Notfallverhütung, mangelnder medizinischer und psychologischer Betreuung bei Missbrauch sowie bei ungewollter und gewollter Schwangerschaft und Geburt konfrontiert“, zeigt Petra Bayr, Sprecherin der Plattform Mutternacht und Bereichssprecherin für globale Entwicklung der SPÖ auf. „Es ist daher dringend notwendig, den Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen sicherzustellen.“

DSC_6867Beatrix Bücher hat für CARE – die Hilfsorganisation hat bisher rund 2,3 Millionen Flüchtlinge in und um Syrien unterstützt – die Studie „Women, Work and War“ geleitet, die sich mit der Situation syrischer Frauen im 6. Jahr des Kriegs beschäftigt. „Syrische Frauen und Mütter schultern einen Großteil der Last von Krieg und Vertreibung“, sagt Bücher. „Sie sind mittlerweile häufig allein für die Versorgung der Kinder und das Familieneinkommen verantwortlich. Eine von sechs Familien  in Syrien ist weiblich geführt.“ Mit erheblichen Folgen: „An Militär-Checkpoints droht Frauen sexuelle Gewalt. Manchmal müssen sie unter Lebensgefahr Frontlinien überqueren. Auch zuhause sind Frauen nicht vor Gewalt gefeit, weil es wegen großer psychischer Belastungen und sich ändernder Rollen häufiger zu Konflikten kommt.“ Syrische Frauen bräuchten Unterstützung, damit sie gefahrlos für sich und ihre Familien sorgen können – etwa in Form von materieller Hilfe und Berufstraining.

DSC_6848Seit Dezember 2015 kommen erstmals mehr Frauen und Kinder als Männer nach Europa. Sie stammen großteils aus Syrien, Afghanistan und dem Irak. „Für Frauen, die flüchten müssen, bestehen besondere Gefahren während der Flucht und auch in der Ankunftsphase. Sie brauchen geschlechtsspezifische Sozialarbeit und Unterstützung dabei, ihre neue gesellschaftliche Identität in Österreich zu finden“, sagt Anita Monika Jahrmann-Foidl vom Samariterbund. Die Sozialarbeiterin und Psychotherapeutin ist seit 10 Jahren im Flüchtlingsbereich tätig und leitet das „Haus Sidra“ für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wien. Der Samariterbund betreibt derzeit in ganz Österreich rund 40 Flüchtlingseinrichtungen für Familien, unbegleitete minderjährige Flüchtlinge und Erwachsene. Zu Spitzenzeiten versorgen die haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterInnen des ASBÖ täglich 7.500 Flüchtlinge.

Sawsan Mohammed, Flüchtlingshilfe von CARE International in Jordanien, berichtet via Skype direkt aus Amman: „Das Gesundheitssystem in Jordanien ist durch die anhaltende und langjährige Flüchtlingskrise schwer überlastet, das betrifft nicht zuletzt besonders die rund 300.000 weiblichen Flüchtlinge. Darunter sind viele Schwangere und stillende Mütter. Routine-Impfungen und Untersuchungen von Schwangeren und Müttern sind nach wie vor kostenlos. Organisationen wie CARE stellen Bargeldhilfe für medizinische Notfälle bereit und beteiligen sich an landesweiten Kampagnen zur reproduktiven Gesundheit. Dennoch ist es dringend nötig, dass Flüchtlingsfrauen, besonders Schwangere und Mütter, eine umfassendere Betreuung  im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit, Aufklärung über ihre Rechte sowie die entsprechende medizinische Versorgung bekommen.“

Medienberichte zur Pressekonferenz am 26.4.2016:

http://tvthek.orf.at/program/heute-mittag/4660089/heute-mittag/12543487/Muetter-auf-der-Flucht/12543568

http://www.kathpress.at/goto/meldung/1370650/mutternacht-75-prozent-aller-fluechtlinge-frauen-und-kinder

 

 

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Gleichstellung der Geschlechter – wo stehen wir heute?

UN Women hat eine Infografik erstellt, die Fortschritte und Herausforderungen für die Erreichung von Gender Equality darstellt (Stand: September 2015).

Gender Equality: Where are we today?

 

Neue Studie zu Müttersterblichkeit

Die Entwicklung der Müttersterblichkeit zwischen 1990 bis 2015 wurde in einer aktuellen Studie vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) im November 2015 veröffentlicht.

Studie zur Entwicklung der Müttersterblichkeit 1990-2015

Im Bericht wird das Erreichen des 5. Millennium Development Goals – die Reduktion der Müttersterblichkeit um 75% bis 2015 – analysiert. Die Müttersterblichkeit hat sich weltweit in den vergangenen 25 Jahren fast halbiert. Während 1990 noch 532.000 Mütter starben, werden es 2015 Schätzungen zufolge 303.000 sein. Alle Fälle von Müttersterblichkeit zu beenden, ist das neue Ziel bis 2030, so die WHO. Um dies zu erreichen, braucht es jedoch viel mehr Hebammen. Außerdem müsste die Müttersterblichkeit dreimal so schnell sinken wie in den vergangenen 25 Jahren, um die Müttersterblichkeit bis 2030 auf 70 Fälle pro 100.000 Geburten zu senken.

 

Links zur Studie:
Trends in Maternal Mortality: 1990 to 2015
Estimates by WHO, UNICEF, UNFPA, World Bank Group and the United Nations Population Division
Full report, pdf, 5 MB, english
Executive summary, pdf, 1 MB, english